Beim Spaziergang über das Messegelände fällt rechterhand ein Roboter ins Auge, der den Besuchern freundlich zuwinkt. Gegenüber stehen große VR-Brillen bereit, und nur wenige Meter weiter hat ein Besucher einen automatisierten Handschuh übergestülpt, den er Finger für Finger mit Bewegungen der anderen Hand steuert.

Wo es sowas gibt? Nicht etwa auf der Gamescom oder einem Digitalisierungskongress, sondern auf der MEDICA, der führenden Gesundheitsmesse, in Düsseldorf. Längst sind Automatisierung, 5G und das Internet der Dinge auch in der Gesundheitsbranche angekommen. Unter dem Stichwort „Smart Health“ sollen medizinische und chirurgische Exzellenz vorangetrieben werden – und die Hoffnungen sind groß.

Noch vor fünf Jahren schätze eine Studie der Unternehmensberatung pwc die monetären Effizienzpotenziale für das bundesdeutsche Gesundheitswesen auf insgesamt 39 Milliarden Euro. Seitdem hat sich einiges getan, doch selbst ein kurzer Besuch auf der Medica macht deutlich: noch immer bleiben viele Potenziale ungenutzt.

Mensch und Technik Hand in Hand

Wohin die Reise führen könnte, zeigt ein Blick auf führende Nationen im Smart Health Bereich. Taiwan gehört hier zu den absoluten Spitzenreitern und ist mit einem eigenen Pavillion auf der Medica vertreten. Dort erklärt man: es geht bei Smart Health keineswegs darum, Ärzte, Pfleger, oder den persönlichen Kontakt zum Patienten zu ersetzen. Vielmehr sollen Smart Health Lösungen alle Beteiligten dabei unterstützen, ihrer Arbeit besser und einfacher nachgehen zu können. Kollaboration statt kompletter Automatisierung – das ist die Idee hinter vieler der hier gezeigten Produkte.

Der Röntgenblick

Wie das konkrete aussehen kann zeigt beispielsweise das Unternehmen HTC mit dem Virtual Reality Produkt VIVE Pro EYE. In Verbindung mit der KI-Plattform „DeepQ“ können angehende Chirurgen hier Operationen am virtuellen Körper einüben, bis jeder Handgriff sitzt. An einem lebenden Menschen zu operieren kann extrem nervenaufreibend sein. Kommt dann noch dazu, dass ein bestimmter Eingriff zum ersten Mal durchgeführt wird, kann es leicht zu stressbedingten Fehlern kommen.

Hochleistungskameras der anderen Art hat auch Taiwan Main Orthopaedic Biotechnology Co. Ltd. im Gepäck. Die intelligenten OP-Brillen „Caduceus“ greifen auf Mied-Reality- Technologien zurück, um ein präzises Bild etwa des Gefäß- und Nervensystems eines Patienten zu zeichnen. Der Chirurg muss den Fortschritt der Operation nicht mehr auf einem externen Monitor verfolgen und kann seine volle Aufmerksamkeit auf seine Hände richten. Besonders bei anspruchsvollen Operationen, etwa an der Wirbelsäule, erhöht die intelligente Chirurgie-Brille die Genauigkeit und verkürzt die Operationszeit – ein Vorteil für Arzt und Patient gleichermaßen.

Diagnose Digital

Doch nicht nur auf dem OP-Tisch können Smart Health Lösungen Ärzte unterstützen. Gerade in der Diagnostik machen digitale Technologien viele Prozesse effizienter und weniger fehleranfällig. Ein vollwertiger Diagnoseroboter mag noch Zukunftsmusik sein – auch wenn Künstliche Intelligenzen schon jetzt in manchen Bereichen treffsicherer Diagnosen treffen, als die menschlichen Kollegen. In jedem Fall können smarte Technologien Mediziners zusätzliche Informationen liefern, die die richtige Bestimmung eines Krankheitsbilds erleichtern.

So etwa das weltweit erste Gerät zur Differentialzählung von Knochenmarksabstrichen von aetherAI. Dauerte dieser Vorgang manuell bis zu 30 Minuten, kann die Zählung nun in Sekundenschnelle durchgeführt werden. Dieser KI-gesteuerte Workflow liefert dadurch schnellere und zuverlässigere Diagnosen.

Ist ein Eingriff erfolgreich erlaufen ermöglichen Apps wie AI-SWAS, die Wundheilung zu überwachen, ohne dass Patienten extra ist Krankenhaus kommen müssen. Von Forschern und Ärzten der National Taiwan University (NTU) und der Uniklinik NTU Hospital in Taipeh entwickelt können Patienten einfach und sicher Bilder der Wunde mit ihren Ärzten teilen, Diese könne so den Heilungsfortschritt eruieren, nach Anzeichen von Schwellungen oder Infektionen Ausschau halten und so den Regenerationsprozess unterstützen.

Therapeut statt Terminator

Mit diesem Thema befasst sich auch die Rehabotics Medical Technology Corporation – und lieferte auf der Medica einen echten Hingucker. Die „Mirror Hand” sieht aus, als wäre sie einem neuen Terminator-Film entsprungen. Tatsächlich handelt es sich um einen Rehabilitationsroboter, der beispielsweise nach Schlaganfällen zum Einsatz kommt. Gemeinsam mit einem zugehörigen Sensor-Handschuh trainiert die Roboterhand die betroffenen Muskeln per Spiegeltherapie.

Was wie Science-Fiction aussieht, könnte also schon bald medizinischer Alltag sein – ein Eindruck, der sich auf der Medica an jeder Ecke bestätigt. Und so verlässt man das Düsseldorfer Messegelände vor allem mit diesem Eindruck: Die Zukunft der Gesundheitsindustrie ist smart.

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.taiwanexcellence2019.de/pc/de/

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