Dem Internet of Things soll in Deutschland endlich der Durchbruch gelingen, doch Unternehmen und Politik tun sich schwer. Ein ambitioniertes Projekt aus Taiwan zeigt mögliche Ansatzpunkte.

2018 sollte der Durchbruch für das Internet of Things in Deutschland sein – so prophezeite es eine IDC-Studie aus dem Januar vergangen Jahres, in der insgesamt 444 Unternehmen und Behörden aus Deutschland mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt wurden. Nach über einem Jahr steht fest: Die Richtung stimmt, aber der große Wurf blieb vorerst aus.

Laut Computerwoche und CIO hat sich die Anzahl der Unternehmen, die IoT-Projekte bereits umsetzen, zwar mehr als verdoppelt, mit 44 Prozent sind diese aber noch immer in der Unterzahl. Einen breiten Rollout planen aktuell gerade einmal vier Prozent der befragten Firmen.

Dieses zögerliche Vorgehen mag durchaus überraschen. Gerade für die in Deutschland starke Fertigungsindustrie sind die Chancen groß, und auch die Bundesregierung hat die Digitalisierung zu einem Schlüsselthema für die aktuelle Legislaturperiode erklärt. Warum kommt das Thema dennoch nur schleppend in Gang, und welche Möglichkeiten gibt es, diesen Prozess zu beschleunigen? Ein Blick nach Taiwan kann Anhaltspunkte liefern.

Auf eigene Stärken besinnen

Die Welt des Internet of Things ist groß und so komplex, dass mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen dies als große Herausforderung empfinden. Dabei gibt es für Unternehmen viele Möglichkeiten, zunächst an bereits bestehende Geschäftsmodelle anzuknüpfen und IoT-Kompetenzen Schritt für Schritt aufzubauen.

Wie das in der Praxis aussehen kann zeigt das Beispiel Taiwan: Die Elektronikindustrie ist eine der großen Stärken der Insel und konnte jahrelang hohe Wachstumsraten verzeichnen. Doch die Konkurrenz schläft nicht, und Industrie und Regierung fühlten sich zunehmend unter Zugzwang. Die Antwort kam im Jahr 2016 in Form der „Asia Silicon Valley“ Initiative, die IoT zu einem Schlüsselelement für die Industrie der Zukunft ausrief.

Ziel des Programms ist es, den industriellen Wandel in Richtung IoT anzuregen. Dabei stützt sich Taiwan vor allem auf die schon vorhandene Stärke im Bereich der Halbleiterindustrie und richtet diese für das Internet of Things neu aus. Damit IoT-Geräte Daten erfassen und austauschen können, benötigen sie feine Sensoren. Für die dazu notwendigen Komponenten spielen Halbleiter eine entscheidende Rolle. „Die Basis für Digitalisierung und das Internet of Things sind Halbleiter, und das ist der Ursprung des Asia Silicon Valley in Taiwan. Unsere Stärke ist, dass wir diese Grundlage sehr genau kennen.“, erklärt Yuan-Guei Ho, Direktor der Wirtschaftsabteilung der Taipeh Vertretung in Deutschland.

Dazu gehört, dass die Regierung Forschungs- und Entwicklungsbemühungen in diesem Bereich finanziell fördert. Fast drei Milliarden Euro flossen 2017 in Transformationsprozesse von Unternehmen. Davon erhofft sich die Regierung mehr Innovation und Produktivität: „Wir möchten Unternehmen dabei unterstützen, mehr Geld für Forschung und Entwicklung auszugeben und weniger für Bürokratie.“ sagt Yuan-Guei Ho.

Innovationsklima fördern

In der Tat stellen knappe Kassen im R&D-Bereich für viele Unternehmen in Deutschland eine große Hürde dar. Daneben fand die IDC-Studie aber eine Reihe weiterer Probleme: 36 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, „Startschwierigkeiten“ bei der Einführung von IoT-Projekten zu haben. Jeder Fünfte fand, es fehle an ganzheitlichen Lösungen, und auch die Punkte Sicherheit und Datenschutz lösten vielerorts Unsicherheit aus.

Um eine innovative Kultur zu fördern, ist es daher auch entscheidend, Wissen und Kompetenzen im Umgang mit IoT zu fördern – das haben auch die Initiatoren der Asia Silicon Valley Initiative erkannt. Die Regierung investiert deshalb einerseits kräftig in die Nachwuchsforschung. „Wir haben 160 Universitäten und Fachhochschulen und 300.000 Absolventen pro Jahr.“, betont Yuan-Guei Ho. Nicht wenige davon werden wohl in Branchen tätig, die eng mit IoT-Technologien verbunden sind.

Andererseits will Taiwan gerade für Startups und junge Unternehmen Anreize schaffen, sich in die Welt des IoT vorzuwagen. Dazu gibt es finanzielle Unterstützung, besonders vielversprechende Projekte werden gesondert gefördert. Gleichzeitig ist Taiwan interessiert daran, heimische Unternehmen mit anderen Global Playern zu vernetzen und einen Wissensaustausch in Gang zu bringen. Auch ausländische Firmen können deshalb auf Beihilfe hoffen, wenn sie IoT-Projekte vor Ort umsetzen möchten.

Worten Taten folgen lassen

Viele dieser Maßnahmen finden sich auf in den Absichtsbekundungen von Bundesregierung und Unternehmen wieder, oft hapert es aber an der tatsächlichen Umsetzung. Dass die Voraussetzungen in Deutschland nicht unbedingt schlechter sind als in Taiwan, zeigen Initiativen auf lokaler oder Landesebene wie der „Smart Systems Hub“ in Dresden. Gemeinsam mit der TU Dresden, dem Fraunhofer-Institut, und Vertretern aus der sächsischen Landespolitik haben sich hier zahlreiche Unternehmen zusammengeschlossen, um unter dem Motto „Enabling IoT“ Technologien voranzubringen und Innovationen zu fördern.

Solche Initiativen sind wichtig und richtig, doch ihre Wirkmacht ist begrenzt. Beispiele wie das Asia Silicon Valley Projekt in Taiwan zeigen: Im weltweiten Wettbewerb um den IoT-Markt sind manche Nationen gewillt, viel zu investieren – mit reinen Lippenbekenntnissen ist es also nicht getan. Für eine flächendeckende und umfassende IoT-Strategie in Deutschland braucht es vergleichbare nationale und internationale Großprojekte, begleitet durch eine aktive Forschungs- und Wirtschaftspolitik.

Kooperationsmöglichkeiten gibt es dabei auch mit Taiwan: Das taiwanische „A+ Industrial Innovation R&D Program“ etwa richtet sich unter anderem an deutsche Akteure. Und das „Central Innovation Program for SME“ ermutigt taiwanesische und deutsche klein- und mittelständische Unternehmen, gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte durchzuführen. Industrielle Technologien sollen sich dadurch in beiden Ländern schneller weiterentwickeln. Gelingt das, kann 2019 auch endlich der Durchbruch für das IoT in Deutschland kommen.

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